Tourismus Trend in Thüringen/ TA

Tourismus Trend in Thüringen/ TA

Thüringer Tourismusbranche steht vor Strukturwandel
Erfurt. Thüringens Tourismusbranche steht vor einem Strukturwandel. Das jedenfalls sieht der zuständige Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee so.
„Aber niedrige Umsätze und Gewinne bremsen Investitionen und notwendige Umstrukturierungen im Hotel- und Gaststättengewerbe“, sagte der SPD-Politiker. Bei einem durchschnittlichen Umsatz von 182 000 Euro pro Unternehmen liege die Thüringer Branche deutlich – um etwa 140 000 Euro – unter dem gesamtdeutschen Schnitt. Und auf dem letzten Platz aller Länder. An dieser Tatsache hat sich seit 1998 – der ersten Konjunkturerhebung – wenig geändert.
„Die Situation ist paradox“, sagte Tiefensee. Umsätze und Gewinne im Tourismus schrumpfen seit Jahren – trotz steigender Gäste- und Übernachtungszahlen. „Über ganz Thüringen gesehen ist die Nachfrage also da, aber die Unternehmen können davon nicht ausreichend profitieren“, so der Minister. Eine Hauptursache sieht er in der Kleinteiligkeit der hiesigen Branche, oft gebe es nur kleine Familienbetriebe mit zwei bis drei Beschäftigten. Hinzu komme der Bevölkerungsrückgang gerade im ländlichen Raum.
Thüringer Gastgewerbe muss mehr investieren

Die vielen kleinen Hotels und Restaurants in Thüringen tragen sich mangels Nachfrage inzwischen kaum noch selbst, so der Minister. Die öffentliche Hand könne nicht am Markt vorbei ein flächendeckendes Angebot an Dorfkneipen aufrechterhalten, wenn es gerade dort die Nachfrage nicht mehr gibt.
Auch das Konsumverhalten habe sich geändert. Die Menschen gingen weniger aus, suchen dann aber das besondere Erlebnis und nehmen auch längere Anfahrten in Kauf. „Das mag man bedauern, aber man darf die Augen nicht davor verschließen: Wie der Handel steht auch die gesamte Tourismusbranche vor einem tiefgreifenden strukturellen Wandel.“ Das Thüringer Gastgewerbe muss mehr in sein Wachstum, in neue Angebote und in die Qualitätssicherung investieren, um diesen Wandel zu meistern, fordert Tiefensee. Er kündigt eine neue touristische Wachstums- und Investitionsoffensive an. Dabei gehe es vor allem um Investitionen in hochwertige Gastronomie und Hotellerie, aber auch um den Ausbau der touristischen Infrastruktur. Das Land stelle dieses Jahr rund 40 Millionen Euro für Tourismusförderung bereit, bis 2020 rund 250 Millionen. Die Mittel werden gezielt eingesetzt.
Die Spirale „kleine Betriebe – geringe Umsätze – niedrige Investitionen“ müsse durchbrochen werden. Wichtig seien die Profilierung bedeutender Tourismusstandorte und –regionen sowie Imagebildung und Marketing für das Reiseland Thüringen. Zur Verstärkung des Auslandsmarketings werde das Ministerium bis 2020 jährlich rund eine Million Euro bereitstellen.
Wolf-Dieter Bose / 23.11.15 / TA